Begegnungsorte
Beruflich beschäftigen wir uns seit vielen Jahren mit Begegnungsorten.
Dabei umfasst unsere Arbeit neben der Beratung von Herstellern sowohl die innenarchitektonische Gestaltung von Restaurants, Büros und Hotels als auch den Entwurf von Möbeln für den Objektbereich. Immer hat uns beides an dieser Arbeit fasziniert: Orte zu schaffen, an denen Menschen gerne aufeinandertreffen und Möbel, die diesen Räumen Leben einhauchen.
Zu unserem Beruf gehört es, dass wir uns mit sozialen und kulturellen Entwicklungen, die unsere Gesellschaft beeinflussen, beschäftigen. Wir schauen uns an, welche Bedürfnisse Menschen in Bezug auf die Räume, in denen sie einander begegnen wollen, haben. Wir versuchen diese Bedürfnisse der Menschen zu analysieren, zu verstehen und Angebote zu entwickeln. Weiter zu denken und in Räume und Produkte zu übersetzen - die sich wandelnden Anforderungen der Menschen zu erfüllen.
Lange Zeit konnten wir bei der Gestaltung von innenarchitektonischen Konzepten aus dem Vollen schöpfen. Es ging um innovative und ausdrucksstarke Entwürfe. Gemeinschaft und „sich vernetzen“ waren Überbegriffe, denen viele innenarchitektonische Konzepte zugrunde lagen.
Hotellobbys bekamen Community Table, an denen ganz unterschiedliche Menschen einander begegnen konnten. Co-Working Spaces zum gemeinsamen Arbeiten wurden entwickelt. Serviced Apartments wurden konzipiert, in welchen Berufstätige aus allen Ländern dieser Welt aufeinandertreffen. Empfangen von einem Concierge, der Auskunft über die hippesten Bars vor Ort geben kann.
Die Möbel, wie Darsteller in einem Theaterstück haben diese Projekte belebt. Mit eigenständiger Formsprache und in allen gewünschten Farben und Stoffen.
Das Prinzip guter Räume: Je mehr Menschen, desto gemütlicher.
Dann kam die weltweite Pandemie. Plötzlich hatte alles zu oder nur eingeschränkt offen. Statt gelebter Community war über weite Strecken physische Distanzierung angesagt. All die Orte, die vorher zu Begegnungen einluden, spielten vorerst keine große Rolle mehr.
Stattdessen rückten die eigenen vier Wände, der private Wohnraum in den Vordergrund. Viele verbrachten nun deutlich mehr Zeit zu Hause als zuvor. Es drehte sich um die Aufwertung der privaten Räume. Die multifunktionalen Nutzungsmöglichkeiten von Wohnungen wurden wichtig. Das Homeoffice ein großes Thema.
Persönliche Treffen fanden zumeist nur draußen statt. Outdoor-Bereiche gewannen an Wichtigkeit.
Und als gerade wieder erste Begegnungen möglich wurden, begann der schreckliche Krieg in Europa. Angst. Hilflosigkeit.
Wie beeinflussen die aktuellen Ereignisse, aber auch die Erfahrungen der letzten Monate die Bedürfnisse der Menschen in Bezug auf Orte der Begegnung?
Der Mensch als soziales Wesen braucht Kontakt und Austausch. Orte, an denen Menschen einander begegnen und kommunizieren können, sind existenziell wichtig. Gerade jetzt. Sich auszutauschen, sich der gemeinsamen Sicht zu vergewissern und neue Ideen zu entwickeln, ist wichtig.
Die gemeinsamen Räume, die wir teilen, halten eine Gesellschaft zusammen. Dazu zählen Bildungseinrichtungen und Sportvereine ebenso wie die Eckkneipe. Hier können Menschen ganz unterschiedlicher Herkunft und beruflicher Sparten zusammenkommen.
Es braucht Orte, die einladen einander zu begegnen.
Wie diese neuen Orte der Begegnung in ihrer Gestaltung aussehen und wie sie die aktuellen und sich verändernden Bedürfnisse der Gesellschaft erfüllen, gilt es zu ergründen.
Was sich durch die Pandemie eindeutig gezeigt hat, ist die Wertschätzung für Orte des persönlichen Treffens.
Wir haben gesehen, dass lernen, sich sportlich betätigen und essen auch alleine Zuhause funktioniert. Selbst das Arbeiten im Team gelingt dank digitaler Medien auch aus dem Homeoffice. Dennoch ist deutlich geworden, wie wichtig der persönliche Kontakt ist. In der innenarchitektonischen Entwicklung von Büros ist bereits ein klarer Fokus auf der Gestaltung von Begegnungsorten erkennbar. Hier werden bewusst Bereiche des Austausches und des informellen Treffens für Mitarbeiter geschaffen.
Begegnungsorte bekommen einen neuen Stellenwert und dieser zeigt sich auch in der innenarchitektonischen Gestaltung und bewussten Schaffung entsprechender Räume.
Text: Krohn+Hardeland
Foto: Kevin Grieve, unsplash